It’s a Dog Eat Dog World

Manche Menschen erfahren die Welt durch Essensfotografie, wieder andere klicken auf Datingprofilfotos und ich, ja ich erfreue mich an sowas hier: Geschenksideen gone wrong. Oder gibt es Lebensformen, die ein Porzellanhund mit vier verschiedenen Hachsen und einer Blumenborte um den Rumpf bereichern? Dann nehm ich alles zurück. (Bitte PN)

Dieses Ding hier speziell erinnert mich an eine schmerzvolle Schenkung, der ich im Teenageralter ausgesetzt war. Von einer Tante bekam ich mit 15 einen acht Mal so großen grauen Porzellanhund inklusiver echter Schurrbarthaare, die selbigem aus dem Gesicht ragten. Ich kann mich noch genau daran erinnern, wie schwer es mir fiel, beim Auspacken halbwegs das Gesicht zu wahren. Die Fresse fällt einem sowieso kurz runter, das kann man gar nicht verhindern, wenn man sie aber schnell genug wieder aufhebt und dabei 10 Mal „Voll liab“ sagt, fällt das keinem weiter auf. Der wirklich blöde Part kommt erst nach der Übergabe. So ein Ding kann man nämlich nicht sofort wieder verschwinden lassen. Es muss erst ein wenig Zeit vergehen. Weil dann hat sich die Welt schon wieder ein ganzes Stück weiter bewegt und die “Weitergabe” wirkt gerechtfertigt. Und hey, selbst im Fernsehzimmer von der Oma darf sich die Deko alle heiligen Zeiten mal ändern. Dort bunkerte ich den Hund nämlich. Also im Zimmer mit dem Fernsehbett, in dem ich manchmal schlief, wenn ich auf Besuch bei ihr blieb.

Die Monate verstrichen und ich fühlte an einem Abend plötzlich: es war Zeit. Die Tante war nur leider ebenfalls zu Besuch. Das verunsicherte mich. Ich schaffte es wieder nicht. Also bat ich meine Oma es zu tun. Als alle schliefen, folgte ich ihr in die Garage. Sie wickelte den Hund in eine Decke und warf ihn in die Restmülltonne. Ich schaute nur zu. Wir sahen uns an und lachten. Erlösung. Befreiung. Ciao, Wauwau. Für immer.

(Gesehen: Ziegelofengasse, 5. Wien)

 

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