the gift wrapping

Bild: Schlimmstes Geschenkpapiermotiv derzeit auf dem Markt (wollte es nicht reproduzieren)

To Whom It May Concern,

Vor einigen Tagen hatte meine bessere Hälfte Geburtstag. Für die Verpackung ihres Geschenks “improvisierte” ich wiedermal, was dazu führte, dass wir unter schallendem Lachen eine Reihe jüngster Events durchgingen, bei denen ich meine grobmotorische Ader wieder besonders eindringlich zur Schau gestellt hatte. Im Spirit dieser Unterhaltung fiel mir dann eine längst verdrängte Misserfolgsgeschichte wieder ein. Diese hat ebenfalls mit dem Thema Geschenke verpacken zu tun.

Hier ist sie:

Vor ca. 10 Jahren wollte ich mir als Studi kurz vor Weihnachten ein wenig Geld dazuverdienen. Thalia in Döbling suchte Menschen, die Bücher hurtig zu Geschenke verpackten und ich weiß noch genau, wie ich mir damals dachte: Ob ich das überhaupt gut kann? Ich schob den Gedanken gleich wieder weg, bewarb mich, dachte, ich müsse mir alles zutrauen, schon aus Prinzip, und außerdem muss man ja erstmal eingeladen werden. Prompt wurde ich zwei Stunden später eingeladen. Noch am selben Tag führte mich die Filialleiterin um kurz nach 20:00 ins Backoffice, ich setzte mich, man war sich sympathisch. Die blonde Mittvierzigerin stellte mir allerhand tätigkeitsrelevanter Fragen, ich antwortete mit allerlei tätigkeitskompetenter Antworten. Ich merkte schnell: Sie wollte mich. Den Job hatte ich so gut wie in der Tasche. Als ich aber nach der Verabschiedung quasi schon im Gehen war, machte sie plötzlich nochmal kehrt und rief mir nach: “Frau O., jetzt hätt ich’s fast vergessen! Ist jetzt nur eher pro forma…. aber können Sie mir noch schnell ein Buch einpacken?” Ich erschrak. Damit hatte ich nicht gerechnet. Wie? Heute schon? Anstelledessen hörte ich mich sagen “Jaja, kein Problem”und folgte ihr nervös zurück in die Filiale. Am Einpacktisch angekommen, wartete sie darauf, dass ich loslegte. Ich machte mir erstmal ein Bild der Lage und stellte Fragen.

Soll ich das Buch nehmen?

Oder das? 

Und welches Papier? 

Das blaue oder das grüne? 

Kann man den Tixo abreißen oder braucht man dafür eine Schere?

Das Gesicht der Filialleiterin verfinsterte sich von Sekunde zu Sekunde. Ich nahm das blaue Papier, rieß den Tixo ohne Schere ab, zog die Sache durch – das von mir verpackte Buch sah aus, als hätte ich vorzeigen sollen, wie man es NICHT macht. Wir blickten beide auf das Ergebnis. Ungläubig. War es wirklich wahr? Ich unterbrach die unangenehme Stille, versuchte etwas Einlenkendes zu sagen, leider kam dabei folgendes raus: „Das geht natürlich besser. Das Papier war mir noch nicht so gut bekannt, also von der Struktur her, aber beim nächsten Mal sitzt das.“ Sie darauf nur: “Hm”. Beim zweiten Mal verabschiedete sie sich irgendwie schneller. Sie meinte, sie würde sich melden. Das tat sie dann auch noch am selben Abend. In ihrer Email stand, dass sie sich für jemanden anders entschieden habe. Stay clumsy.

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