the simulated writer’s residency (1)

Nur halbfertige Zeichnung von einem Haus bei Campo San Pietro, da zuerst der Radiergummi und dann die Muße fehlte.

To Whom It May Concern,

Länger als gedacht hat es gedauert. Aus der Übernachtung in der Gartenhütte mit den Wachauer Großspinnen oder dem ebenfalls naheliegenden Couchsurfing in der österreichischen 3D-Druckgesellschaft ist lustigerweise nichts geworden, aber jetzt hat es endlich doch klappt: Si! Der Tag meiner ersten simulierten Writer’s Residency ist gekommen! Ausgerechnet von einem himbeerfarbenen Ikeasofa in Castello, Venezia aus werde ich also ab jetzt bis übermorgen südländische Klischees in regelmäßigen Proscuittoabständen in die Tasten hauen. (Hasst mich jetzt ruhig ein wenig, è comprensibile! / es ist verständlich!)

Vielleicht stimmt es euch wieder versöhnlicher, wenn ich erstmal von meiner harten letzten Nacht berichte. Si, si. Let’s call this sub story “Sleepless in Nightjet”. Denn auch die Idealsituation “2 Menschen dürfen sich, also die Freundin und ich, ein Viererabteil in einem Schlafwagon teilen” – konnte leider nicht verhindern, dass ich jedes Mal aufwachte, wenn der Nightjet abrupt abbremste, um in irgendwelchen Käffern nächtens anzuhalten. Gleich wieder Einschlafen, das spielte es nämlich nicht bei mir. War die erste Orientierungslosigkeit überwunden, musste ich erstmal nachspüren, ob das Notebook, die Geldbörse und das Handy mir eh noch an der einen oder der anderen Wade klebten. Man muss jetzt zur Erklärung vielleicht sagen, dass wir uns die Wertgegenstände wortwörtlich zu Füßen legten. Wir deponierten sie in dem zugenähten Ende unser Bettlakens. (“Nur” für den Fall, dass die zweifache Verriegelung der Wagontür doch überwunden werden sollte. Haha. ) Bisschen viel Attenzione, ich gebe euch Recht, aber andererseits: Ohne PC auch keine Writer’s Residency und speziell dafür war ich ja mitgekommen. Zum Grande Finale am nächsten Morgen jedenfalls hämmerte der Schaffner nochmal grenzpolizeihaft gegen die Tür. Nachdem ich ihm nach wiederholtem Male endlich öffnete, schob er uns grinsend zwei Tabletts mit Wiener ÖBB-Frühstück ins Abteil.  (Der ÖBB-Zusatz hier ist bewusst gewählt.) Naja, egal. Das ist jetzt alles Vergangenheit. Jetzt war ich ja hier am himbeerfarbenen Sofa angekommen, bereit für’s WIFI im Appartment und den Rest von Venedig auch. Dank vorhandenem Internet musste ich auch nicht nach irgendwelchen Hotspots in der Umgebung suchen. Also nicht jeden Tag zum Markusplatz fahren und nach einem unversperrten Dogen-LAN Ausschau halten. Wobei um die Ecke, zirka 100 Meter von der Wohnung entfernt, hätte ich bereits einen Fischladen erblickt, der zwar gänzlich ohne Schild auszukommen scheint,  auf den Aushang eines weißen A4-Zettel mit folgender Botschaft aber offenbar nicht verzichten möchte:

“Keep calm and ask for WIFI-Passwort”

Das steht da wirklich da. Gleich neben der Theke mit den 1 Meter langen Fischen. Es bleibt als nur noch eine Sache, die die Macht besitzen könnte, meine Writer’s Residency-Experience schon wieder zu beenden, bevor sie überhaupt begonnen hat: Ich habe bisher keine passende Steckdose für das Mac-Stromkabel finden können.

Salve,
Nadine <3

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