asozial

die heiligen 3 könige haben mich heuer zum ersten mal erwischt. davor lag ich jahrzehntelang regungslos im bett meines jugendzimmers, während die sternsänger nebenan in unserem vorhaus schiefe lieder trällerten.

im besseren fall fing mein Vater sie schon in der auffahrt ab und gab ihnen somit zu verstehen, hier oder nirgendsmehr in diesem leben. leicht irritiert sangen sie dann,  bei halboffenem automatischen garagentor quasi, 2 schnelle nummern, bevor es weiter zum nächsten nachbarn ging.  meiner Mutter und mir, beide damals wie heute den pyjama ab dem 25.12. grundsätzlich nicht mehr verlassend, konnte das nur recht sein.

fast zwei jahrzehnte lang hat dieses system mit variante 1 oder 2 gut geklappt. länger. als ich nach wien zog, öffnete ich die tür einfach auch nicht bis zum 7.1. und führte so die tradition, auf meine eigene weise, fort. bis gestern. als mich zwei heilige könige und eine heilige königin kriegten.

wie das geschah? die drei stillen, liebgrinsenden kiddies schneiten im goldgewand samt steppjackentragender betreuerin in das stammcafé hinein und näherten sich unaufhaltsam meinem tisch. war es zu spät, um aufs damenklo zu fliehen? ja, war es, denn eine andere frau hatte den gleichen verrückten impuls und setzte ihn schneller um als ich. ich kramte also als einzige nach kleingeld, während die anderen gäste die situation gekonnt wegignorierten oder auf devices starrten. vielleicht hatten sie auch nie münzen dabei, dachte ich barmherzig. vielleicht hätten sie ebenfalls einen ganzen schein rausrücken müssen. …egal, ich hab ihnen meine zwanzig euro gegeben. etwas zu sehr in zeitlupe? vielleicht, aber anführungszeichen unten “von herzen” anführungszeichen oben.

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